
Erste Sätze: "Sally." Ein Grummeln. "Wach jetzt auf Sally." Ein lautes Grummeln: Laß mich schlafen. Er schüttelte sie heftiger. "Wach auf. Du mußt aufwachen!" Charlie. Charlies Stimme. Er rief nach ihr. Wie lange schon?"Eine Supergrippe, Captain Trips genannt, fegt über das Land und tötet innerhalb kürzester Zeit fast die gesamte Population. Nur eine kleine Anzahl von Menschen scheint gegen die Grippe immun zu sein. In einer toten Welt sind die meisten ziellos, reisen herum ohne ein Ziel. Dann kommen die Träume. Träume von einer alten schwarzen Frau in einem Maisfeld, und Träume von einem dunklen Mann. Manche Leute folgen dem Traum zu der alten Frau, andere folgen dem dunklen Mann. Zwei neue Zivilisationen entstehen, doch das letzte Gefecht zwischen Gut und Böse scheint unausweichlich.
Das war jetzt mal knapp zusammengefasst, um was es auf den 1200 Seiten geht. Es ist die Geschichte von den verschiedenen Menschen, die versuchen in einer leeren, toten Welt wieder ein Ziel zu finden. Meiner Meinung nach ist Kings größte Stärke als Geschichtenerzähler gute Charaktere zu entwickeln! Und das gelingt in
The Stand fabulös. Man übersteht die 1200 Seiten nur, ja sie vergehen sogar wie im Flug, weil einem Franny, Stu, Larry und Co. wirklich ans Herz wachsen. Außerdem steckt er diese Charaktere in eine äußerst interessante Situation, die gerade heute ja eine gewisse Aktualität hat (relativ am Anfang wird die Supergrippe sogar mal mit der Schweinegrippe verglichen... allerdings soll die Supergrippe längst nicht so gefährlich sein).
Es gibt allerdings eine Sache, die manche Leute vielleicht abschrecken könnte: King operiert hier mit vielen christlichen Elementen. Nicht zuletzt geht es um den letzten Kampf zwischen Gut und Böse. Ich selbst bin nicht wirklich christlich (das klingt irgendwie seltsam...) und mich hats nicht gestört.
Ich habe gerade vor ein paar Monaten Stephen Kings autobiographisches
On Writing gelesen, in dem er auch über
The Stand schreibt. Er schreibt, dass die Geschichte an einer Stelle gehakt hatte, und einfach nicht sinnvoll voran gehen wollte. Dass sich einfach wieder die alte Normalität einstellen wollte. Und man merkt das dem Buch durchaus an. Stephen King hatte am Anfang wohl die Ausgangssituation und die Charaktere im Kopf, vielleicht noch einen groben Handlungsbogen den er entlang gehen wollte. Ansonsten lässt er die Charaktere einfach das machen, was in dem Moment sinnvoll erscheint, und lässt die Geschichte sich so fast selbst schreiben. Deshalb ist es am Ende auch nicht so, dass alles was irgendwann mal passiert ist einen größeren Sinn ergibt. Das Buch ist nicht von vorne bis hinten durchkonzipiert sondern entwickelt sich "natürlich". Ich fand das sehr erfrischend und trotzdem sehr packend.
A pros pos packend, ich hab es nicht gelesen sondern gehört. Es hat mich jetzt über 70 Stunden begleitet, und begleitet ist auch genau das richtige Wort. Man ist drinnen in der Welt, man ist den Charakteren sehr nahe und fühlt sich wohl. Das vermisse ich jetzt, da das Buch fertig ist. Wie bei kaum einem anderen Buch fühlt man sich in die Welt gezogen.
Das Ende ist wenig überraschend und logisch, manche könnten es aber ein wenig unspektakulär finden. "
Das Letzte Gefecht" verdient diesen Namen eben nicht wirklich. Ich hab ein wenig das Gefühl, dass King hier ein bißchen die Luft ausgegangen ist, denn nicht alles macht für mich wirklich Sinn. Trotzdem passt es eigentlich sehr gut zur Geschichte.
Alles in allem bin ich froh diese 70+ Stunden teil dieser Welt und dieser Geschichte gewesen zu sein. Ich kann sehr gut verstehen, warum für viele Fans dieses Buch als das ultimative King Buch ansehen... für mich geht das dann doch eher an die dunkle Turm Reihe, dennoch ein herausragendes Buch! Demnächst werde ich mir die Miniserie nochmal ansehen, die hab ich zuletzt vor geschätzten 15 Jahren gesehen.
Fazit: Ein Mammutwerkt dass sich in seinen Bann zieht. Tolle Charaktere und eine wunderbar beschriebene Welt, dazu eine tolle Geschichte. Wer sich auf diese Reise einlässt wird am Ende auch belohnt.
9 von 10Labels: Lesen