Mittwoch, April 20, 2011

[Film] Hanna



Hanna
von Joe Wright
mit Saoirse Ronan, Eric Bana und Cate Blanchett

Wer ist Hanna? Fragt der deutsche Titel des Films - und lange Zeit ist das auch genau die Frage des Zuschauers. Abgelegen in einem Wald nicht unweit vom Polarkreis lebt die junge Hanna mit ihrem Vater in einer Holzhütte. Er bildet sie aus - vielleicht zu einer Geheimagentin vielleicht auch zu einem Profikiller. Doch sie will raus und die Welt kennenlernen, auf die ihr Vater sie vorbereitet. Er gibt ihr die Wahl in Form von einem Schalter: wenn sie den umlegt, erfährt der US-Geheimdienst wo sie sind, und kommt sie holen...

Mehr will ich mal gar nicht erzählen. Hanna ist ein erfrischend ungewöhnlicher Film, der durchaus aus der aktuellen Filmlandschaft hervorsticht. Man könnte ihn beschreiben als Bourne Identity meets Leon meets... hmm... naja... nun, Hanna eben. Denn Hanna hat durchaus genug eigene Ideen.

Und während ich da im Kino saß, musste ich an das Review von AICN denken, dass Hanna als besten Film des Jahres beschreibt... und denke mir: Harry hat Recht. Denn die erste Stunde von Hanna ist wirklich grandios. Tolle Atmosphäre, interessante Charaktere und frische Ideen - und nicht zu vergessen, atemberaubende Actionszenen mit genialer Musikuntermalung. Andere moderne Actionfilme können sich was Kamera und Schnitt von Hanna wirklich eine Scheibe abschneiden.

Doch dann verliert der Film ein bißchen an Drive. Versteht mich nicht falsch, die Geschichte wird durchaus logisch und in Ordnung zu Ende geführt - ohne dass die Auflösung sonderlich kreativ wäre. Aber zum einen wird die Action nach einer gewissen Szene am Hafen immer kleiner (ich versteh schon - von der "epischen" Actionszene am Anfang mit gesichtslosen Gegnern hin zu persönlichen Actionszene am Ende) und zum anderen hat sich der Drehbuchautor und/oder Regisseur in eine Idee rund um die Gebrüder Grimm verliebt, und das gesamte Finale des Films bildlich und inhaltlich darum gestrickt. Und zumindest für mich war diese Idee zwar ganz nett, aber auf keinen Fall gut genug, um sie in solch epischer Breite auszuweiden.

Kurzzeitig hat mir das Ende sogar fast den Film kaputt gemacht, ohne dass es wirklich richtig schlecht war - es war eben ein wenig enttäuschend. Aber zurückblickend bleibt immernoch ein verdammt guter und erfrischend anderer Film. Was auch an den Schauspielern liegt. Saoirse Ronan, die in den Actionszenen genauso glaubwürdig rüber kommt, wie in den ganz privaten emotionalen Momenten als 14-jähriges Mädchen - Cate Blanchett, die ich eigentlich nicht leiden kann, die aber einen richtig charismatischen Bösewicht spielt - und Eric Bana... der in Ordnung war. Beim Weg aus dem Kino hab ich ein Plakat von Unknown Identity gesehen und mir gedacht, Liam Neeson hätte da vielleicht noch besser gepasst - oder ist der zu alt dafür?

Es ist ein Jammer, dass Hanna so wenig Hype hat - denn er hat durchaus das Zeug zum Lieblingsfilm und eigentlich passt er auch genau ins Beuteschema der Internetgeeks. Ich hoffe, dass bis zum Kinostart noch ein bißchen mehr Stimmung für den Film gemacht wird, denn Hanna ist es wirklich wert gesehen zu werden. Zumal die Handlung ja auch eine ganze Zeit in Deutschland spielt (und einer der Bösewichter auch ein ganz ekelhafter Deutscher ist), und auch viele deutsche Filmemacher beteiligt waren.

Es ist zu schade, dass mir das Ende nicht so gut gefallen hat - sonst wäre vielleicht eine 9 von 10 dabei rumgekommen. Jetzt tu ich mir mit einer Wertung schwer. Denn die Action, die Charaktere, der Humor und auch die ein oder anderer unorthodoxe Idee habens mir wirklich angetan. Die Bluray wird auch auf jeden Fall gekauft - vielleicht kann ich ja dann mit dem Ende auch mehr anfangen. So bleibt es bisher leider "nur" bei einer:

7 von 10

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